Die alte Chemnitzer Genossenschaftsmolkerei an der Forststraße : 無料・フリー素材/写真
Die alte Chemnitzer Genossenschaftsmolkerei an der Forststraße / Uwe Kaufmann1
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| 説明 | Zwar ist die Redewendung des täglichen Brotes allgegenwärtig in unserem Sprachgebrauch, doch nicht wenige unter uns können das noch nicht – oder aber auch nicht mehr essen. So ist die gute alte traditionelle Milch aus unserem Nahrungsmittelspektrum – auch heute noch – nicht wegzudenken, ganz besonders, aber nicht nur für jene eben angedeutete Bevölkerungsschichten (ganz junge wie auch ganz alte). Was die Nährstofforschung in den letzten Jahrzehnten wissenschaftlich untermauern und belegen konnte, wußten unsere Urgroßväter (und – mütter !!!) bereits vor mehr als 100 Jahren schon aus empirischer Erfahrung, verknüpft mit logischen Schlußfolgerungen: was einem zunächst anfällig zerbrechlichen Neugeborenen in sehr kurzer Zeit zu einer in der Regel so gedeihlich raschen Entwicklung zu verhelfen vermag, das konnte auch für Jugendliche, Erwachsene, Greise wie auch Kranke und Rekonvaleszente (von einer Krankheit genesende) nur von Nutzen sein. So galt Milch (abgesehen von Blut bei Goethe) als ein „besonderer Saft“ - und so ist es ja auch. Selbst Schwindsuchtkranken mit ihrem geschwächten Immunsystem hat sie oft gute Dienste erwiesen. Ausgezehrte nehmen schneller zu, wenn die aufbauende Nahrung möglichst viel von dem weißen Saft enthält. Chiles einstiger Präsident Allende (ermordet im Verlaufe des Pinochet-Putsches) rettete viele Kinder durch die kostenlose Verteilung von Milch. Selbst in DDR-Zeiten wußte man ihre Wirkung zu schätzen und versorgte die Schulkinder (mit der staatlich subventionierten) Schulmilch. Überdies war die Milch im Vergleich zu vielen anderen Nahrungsmitteln preiswert und einfach „herstellbar“ - ein Problem dagegen deren kurze Lagerfähigkeit. Jeder der nicht wenigen früheren Milchhöfe um Chemnitz hatte „seine“ eigene, zum größten Teil aber doch sehr verstreute, wenn auch historisch gewachsene Kundschaft und Einzelhändler. Da konnte es schon mal vorkommen, daß Sauermilch ankam, Horror für jeders Kind, bald ebenso schlimm wie Lebertran, was früher zur Vorbeugung gegen Rachitis (eine Form der Knochenerweichung infolge Mangelernährung) Kindern gern gegeben - von ihnen aber mindestens in gleichem Ausmaß ungern genommen wurde. Doch vom Kuh-Euter bis zur Tasse auf dem Essentisch war der Weg gleich in zweierlei Hinsicht lang (mitunter zu lang) sowohl von der Transportstrecke her als auch von deren Dauer. In Ermangelung von Kühlschränken mußte erst noch der Eismann kommen, mit dessen tiefgekühlten Wasserblöcken das edle weiße Naß dann erst „auf Reisen“ gehen konnte, ganz zu Anfang im Kutschwagen, über dessen Höchstgeschwindigkeit wir sicher nicht erst zu fachsimpeln brauchen. Kurz, es drängelte sich schließlich eine neue „Logistik“ (wie wir es heute nennen würden) bezüglich der Milchgewinnung und Verteilung regelrecht auf und die Lösung war ebenso einfach wie genial – eine zentrale Anlaufstelle, zu der Milchproduzenten wie auch Einzelhändler so aufbrachen, daß sie dort zu vereinbarten Zeiten aufeinander trafen und so der Zwischenhandel im wahrsten Sinne des Wortes „flüssig“ vonstatten gehen konnte. Die Form der Genossenschaft war eine gute Wahl, so konnten passagere Defizite des einen Lieferanten mit vorübergehenden Überschüssen der anderen kompensiert werden. Dennoch konnte sich keiner hinter dem „breiten Rücken“ des anderen ausruhen, denn der ausgezahlte Erlös richtete sich dennoch nach der gelieferten Warenmenge. Doch die Kunden bekamen so nur noch globale Engpässe zu spüren und hatten nun, schon alleine zur Freude der Kinder, die Milch immer frisch auf dem Tisch. Die in Chemnitz am 29.1.1900 gegründete Genossenschaftsmolkerei (gut 11 Jahre später soll es die größte in Deutschland gewesen sein – Milchumsatz bis zu 40000 l tgl.) hatte schließlich ein relativ dichtes Netz von an der Genossenschaft beteiligten Einzelhändlern geschaffen, denen sie auch ein wenig „unter die Arme“ griff, die sie belieferte und ihnen auch kleine Vorzugspreise einräumte, so daß sie zwischen den großen Marktketten wenigstens bestehen konnten.Wem in den Anfangsjahren dennoch die Milch nicht frisch genug war, (das zwar schon erfundene Auto hatte die Pferdegespanne noch nicht so allgemein als Transportmittel abgelöst) der konnte seine Milch auch in der neu errichteten Trinkhalle direkt vor Ort genießen. Die anfangs rege Nachfrage wurde aber schon nach wenigen Jahren immer moderater, mit zunehmend schnellerer Verfügbarkeit nahm man den weißen und besonderen Saft wohl doch lieber zu Hause zu sich, während man in Geselligkeit eher vergorenen Rebensaft oder hopfenhaltige Brau-Produkte zu bevorzugen schien. Doch die Erfolgssträhne der Genossenschaftsmolkerei blieb ungebrochen (erkennbar an Um- und Erweiterungsbauten um 1930) und setzte sich bis tief in DDR-Zeiten hinein fort (inzwischen zum VEB avanciert - produzierte man sogar größere Mengen an Babynahrung), so daß hier Mitte der 70-er Jahre der nun abgerissene Komplex auf der anderen Seite der Forststraße entstand, dem immer wieder gestiegenen Bedarf Rechnung tragend. Umso erstaunlicher kam nach der Wende der kometenhafte Absturz. Die plötzlich vorhandene drückende Konkurrenz , der rasch zur Gepflogenheit gewordene Run auf „Westprodukte“, gefallene Ertragspreise neben gestiegenen Lohnkosten und nicht zuletzt der Wegfall staatlicher Subventionierungen hatten 1991 das rasche Sterben der bis dahin erfolgreichen Molkerei erheblich begünstigt. Plötzlich wollte keiner das Objekt mehr haben, auch nicht Alois Müller („Müller-Milch“), der es als einziger neuer Eigentümer nach der Wende bereits 1995 wieder fallen ließ und seither in Leppersdorf seine Zelte aufgeschlagen hat. Während 2010 der Abbruch der in DDR-Zeiten entstandenen Gebäude auf der „ungeraden“ Seite der Forststraße erfolgte, verschwanden die älteren historischen Häuser bereits 2002. Lediglich das hier nicht zu sehende Verwaltungsgebäude steht noch, heute ist darin eine Nierenarztpraxis. PS.: Die Milchflasche oben links steht als Leihgabe im Industriemuseum, die konnte man auch mal fallen lassen, ohne gleich in Scherben zu gehen und fand vielseitige Verwendung auch außerhalb der eigentlichen Zweckbestimmung. |
| 撮影日 | 2010-10-28 14:04:01 |
| 撮影者 | Uwe Kaufmann1 |
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| 撮影地 | Chemnitz, Sachsen, Deutschland 地図 |

